Der Ausreißer - etwas wie ein Burnoutmanga
Annotation zum Buch `Der Ausreißer` von Hideo Azuma
Berlin (Kalaschnikow) - Der Ausreißer ist mein erster Manga. Als klassischer Leser und Freund der Graphic Novel sind mir Mangas bisher nicht auf den Tisch gekommen. Das sollte sich nun mit dem Ausreißer ändern. Das Werk ist autobiografisch, es erzählt die Geschichte des erfolgreichen Mangazeichners (Mangaka) Hideo Azuma, der plötzlich und unerwartet seine Arbeit und seine Familie im Stich lässt. Er geht zum Zigaretten holen weg und lässt alles hinter sich liegen. Beeindruckend, verstörend, mutig.
Er schlägt sich obdachlos und binnen kurzem auch als Alkoholiker, durchs Leben. Schlussendlich landet er auch noch in der Psychiatrie und nimmt den Weg der Schmerzen, um wieder ans Ende des Tunnels zu gelangen, um neuen Atem zu schöpfen. Das ist philosophisch, tief, und kommt glücklicherweise nicht ohne Witz daher.
Das ist der eigentliche Wert des Buches. Auch im tiefsten Dreck wartet doch ein Witz, der es wert ist, gerissen zu werden.
Die Geschichte bleibt ohne wirkliches Ende, das überlässt der kluge Mangaka seinem Leser. Ein feiner Schachzug, der uns mindestens 2 Alpträume schickt. Wo wir uns als ausgebeuteter Kapitalistenknecht beuteln lassen, oder im feuchten Wald mit anderen Pennern um die vollen Flaschen kampeln.
Großer Lese-und Guck-Stoff- Manga, klasse Story, auch wenn die kleinen, fetten Comic-Figürchen anfangs für einen Nichtkenner gewöhnungsbedürftig sind.
Hideo Azuma: Der Ausreißer, 190 Seiten, Schreiber & Leser 2007, 14,95 Euro