Über Friedrich August von Hayek - einem ``bedeutenden`` Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie
Serie: Über das Buch `Crash 2009 - Die neue Weltwirtschaftskrise` (Teil 2/2)
Berlin (Kalaschnikow) - Ab 1970 begannen die Profitraten des Kapitals abzunehmen, gemäß
der von Marx entdeckten Gesetzmäßigkeit des tendenziellen Falls der Profitrate und
der in den entwickelten Ländern relativ gut entwickeelten Sozialstaatlichkeit. Damit
begann ein verstärktes Interesse der Großbourgeosie an radikalliberalen Wirtschaftstheorien zur Wiederanhebung der Profitrate. Demgemäß ging der Ökonomie-Nobelpreis 1976
an Friedrich August von Hayek und 1978 an seinen Gesinnungskumpan Paul Friedmann.
1973 hatte in Chile der mörderische Militärputsch des Augusto Pinochet stattgefunden.
Hier nun findet Hayek ein Betätigungsfeld zur praktischen Umsetzung seiner Theorien.
Jetzt kann das erste Großexperiment in Sachen Privatisierung, Deregulierung und Sozial
abbau starten. Ja, die radikalen Liberalen fühlen sich im faschistischen Chile so wohl,
dass sie im Jahre 1981 die Tagung ihrer Mont Pelerin Society in Santiago de Chile
abhalten.
Anläßlich dieser Tagung gab Hayek der Tageszeitung El Mercurio ein Interview,
in welchem er ausführte: "Eine freie Gesellschaft benötigt eine bestimmte Moral, die
sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschränkt; nicht auf die Erhaltung allen
Lebens, denn es könnte nötig notwendig werden, das eine oder andere individuelle Leben
zu opfern zugunsten einer größeren Anzahl anderen Lebens. Die einzig gültigen Maßstäbe
für die `Kalkulation des Lebens` können daher nur sein: das Privateigentum und der
Vertrag."
So tief ist also nun der angebliche Freiheitsapostel gesunken, den es einst noch vor
der Hitlerherrschaft gegraut hatte, dass er nun die faschistischen Mordtaten des Pinochet-
Regimes rechtfertigt. Für das Privateigentum und die Vertragsfreiheit ist ihm kein
Menschenleben zu schade. Wurde da dereinst etwas gefaselt von der Notwendigkeit des
Kapitalismus für die Freiheit, so erleben wir hier nun ein Chile, in welchem die extreme
Unfreiheit zur Voraussetzung für den Erhalt des Kapitalismus, sowie seine volle
Entfaltung in radikalster Form, geworden war. Unter Beihilfe von Thatcher, Reagan, Schröder,
den Bushs und ähnlichen Gestalten siegten die Ideen des Spritus-Monsters Hayek nahezu
weltweit. Zeitweilig sah es so aus, als wenn nur Cuba Immunität gegen sie besäße. Allerdings
nimmt gegenwärtig die Anzahl der Länder wieder zu, die sich von diesem Wahn abkehren.
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat auch in den entwickelten Industrieländern vielen
die Augen geöffnet, wie wenig die Hayek-Religion in der Lage ist, Wohlstand zu sichern,
geschweige denn zu schaffen, es sei denn für die Minorität der Finanzaristokraten und
Topmanager. Da aber, u.a. auch in Deutschland, Hayek von der bürgerlichen Propaganda
immer noch als ein wichtiger Vordenker freiheitlicher Gesellschaft gefeiert wird, ist
die schonungslose Entlarvung dieses Komplizen der faschistischen Mordtaten im Chile
Pinochets eine vorrangige Aufgabe linker Aufklärung.
Nach der letzten Bundestagswahl sind nun die Liberalen in das deutsche Notstandskabinett
eingetreten. Wie sieht nun die liberale Praxis aus? Sie unterstützen und hofieren die
Putschisten von Honduras, welche mit Wasserwerfern, Tränengas, Gewehrkolben und nicht
zuletzt auch Mord das honduranische Volk vergewaltigen. Auch hier ist wieder die Unfreiheit
zur Voraussetzung für den Erhalt des Kapitalismus geworden. Gegenwärtig wühlt die
Freidrich-Naumann-Stiftung der Liberalen gegen die progressive Regierung des Präsidenten
Lugo von Paraguay, eines Befreiungstheologen.
Die Mehrwertsteuer für Hotelrechnungen wurde deutlich herabgesenkt. Das war die
Gegenleistung für Wahlkampfspenden einflußreicher Hotelketten für die FDP. Die Hotelpreise
sinken dadurch nicht. Nur die Profitrate wird in diesem Wirtschaftssektor durch die
Steuergeschenke des Staates angehoben. Hat das noch etwas mit der von den Liberalen
so oft beschworenen freien Marktwirtschaft zu tun?
Das Geld fehlt natürlich woanders. Nun müsen Hatz-IV-Empfänger Geld an den Staat
zurückzahlen, weil sie aus Versehen die allgemeine Kindergelderhöhung miterhalten haben.
Aber Kinder von Hartz-IV-Empfängern sind für tollwüzige Liberale nicht förderungswürdig.
Sind auch die allermeisten Arbeitslosen Opfer der neoliberalen Politik, die in
Deutschland nach der Wiedervereinigung voll ausbrach, so sind doch auch die Kinder der wenigen
Arbeitslosen, die eventuell eine gewisse individuelle Mitschuld an ihrer Situation haben,
von dieser Mitschuld unbelastet. Richtig, die Liberalen waren natürlich immerschon gegen
Gleichmacherei, aber nach ihren Theorien sollten allerdings wenigstens die gleichen
Startchancen für alle Menschen bestehen, damit jeder seines Glückes Schmied sein könne.
Selten so gelacht!
Nun planen sie schon wieder gigantische Steuersenkungen, mit denen sie den deutschen
Staatshaushalt gegen die Wand fahren werden. Paul Krugmann, der jüngste Nobelpreisträger
für Wirtschaftswissenschaften, einer der diesen Preis wahrhaftig verdient hat, schreibt
hierzu: "Die Angebotsorientierten predigen ja immer nur dieselbe Botschaft ... Steuern
sind die Wurzeln allen Übels ... Steuersenkungen hätten so wundersame Auswirkungen auf die
Wirtschaft, dass Ausgabenkürzungen ... um die Mindereinnahmen auszugleichen ... überhaupt nicht
nötog seien. Tatsächlich nämlich kennt die Wirtschaftsgeschichte nicht den geringsten positiven
Beleg für dieses Konzept." Woher also die hartlebige Existenz dieser Theorien? "Ideen, die
den Vorurteilen und Interessen der Wohlhabenden genehm sind, finden zwangsläufig finanzstarke
Unterstützer."
Dieses Buch ist durchaus wertvoll und aufschlußreich bzgl.
der Entlarvung der ganzen neoliberalen Religion und Scharlatanerie und deren wichtigster Demagogen.
Leider geht der Autor nur so weit, als Ausweg die Rückkehr zum Keynesianismus und zu
wahrhaftiger sozialer Marktwirtschaft zu fordern. Die grundsätzliche, dauerhaft unaufhebbare
Überlebtheit des gesamten kapitalistischen Systems sieht er leider nicht. Dass das letzte Kapitel
anstatt Gedanken zum Widerstand gegen die herrschende Politik, der Frage gewidmet ist, wo man
denn heute Geld noch sicher anlegen könne, ist ziemlich enttäuschend, nach den vorangegangenen
wahrhaftigen geistigen Höhenflügen zutiefst berechtigter Kritik.
Wolfgang Köhler: "Crash 2009 - Die neue Weltwirtschaftskrise", Mankau Verlag, 2010, ISBN: 978-3-938396-31-5